Schultern Anatomie: Das Schlüsselbein – Clavicula

Schlüsselbein, Zeichnung des Knochens

Schultern - Anatomie: Die Schlüsselbeine sind S-förmige, paarige, etwa handlange Röhrenknochen des vorderen, oberen Rumpfes. Sie verbinden das Brustbein mit den Schulterhöhen und gehören zum knöchernen Schultergürtel.

  • Welche skelettalen Aufgaben haben die Schlüsselbeine innerhalb der Atemmechanik?
  • Welche Muskeln beteiligen sich daran?
  • Welche Rolle spielen die Schlüsselbeine für ausgewählte Wirkfaktoren der Atemtherapie: Orientierung und Struktur, Aufrichtung und Haltung, Tragen lassen und Durchlässigkeit der Gelenke zum Boden?

Und:

  • Haben Schlüsselbeine etwas mit Beinen zu tun?
  • Haben Schlüsselbeine tatsächlich eine «Schlüsselfunktion» 

Factsheet Schlüsselbein

Du magst nicht so viele Informationen lesen und hättest gerne alles Wichtige auf einen Blick? Hier kannst du dir das Factsheet zum Schlüsselbein downloaden:

  • Das Schlüsselbein und seine Bedeutung für die Atmung
  • Das Schlüsselbein in der Atemtherapie
  • Erlebe deine Schlüsselbeine - eine Kurzanleitung

Schlüsselbeine - Der Schlüssel zur Anatomie der Schultern

Warum interessiere ich mich für Schlüsselbeine? (Eine persönliche Vorrede)

Als ich etwa sechs Jahr alt war, machte meine Familie einen Ausflug nach Schaffhausen ins Museum zu Allerheiligen. Beim Exponat eines menschlichen Ganzkörperskeletts fragte ich meine Mutter, was das sei. Sie erwiderte: «Das isch emal en Mänsch gsi.» [Das war einmal ein Mensch.] Daraufhin erlitt ich eine Art Nervenzusammenbruch und war wochenlang schlaflos oder von Alpträumen geplagt. Die Erkenntnis der menschlichen Endlichkeit, meiner eigenen und der meiner Liebsten, hatte mich abrupt aus dem Forschergeist meiner kindlichen Naivität gerissen. Jahrelang konnte ich keine Knochenteile verkraften, weder Bilder davon noch Gedanken daran.

Schultern Anatomie Schlüsselbeine Skizze Grabstein, Rabe, Teufel und Skelett, die sich zuprosen Memento mori

Als die Berufswahl anstand, attestierte mir der Berufsberater eine klare Veranlagung zur Archäologin – mein professioneller Alptraum: in der Erde nach Knochen graben. Ich widmete mich stattdessen der Linguistik und der Literatur. Tote Sprachen schreckten mich weniger als menschliche Überreste. Heute bin ich versöhnt mit den Knochen – weiss ich doch nun, dass sie weder tot noch gruselig sind, sondern eine wichtige Struktur im Stützapparat mit vielen zentralen Funktionen für grundlegende Vorgänge des Stoffwechsels.

Die Bedeutung des Schlüsselbeins für den Atemvorgang

Die Ganzheit, mit der sich der Körper am Atemvorgang beteiligt, umfasst einerseits also die ganze Wirbelsäule, den Schultergürtel und den Brustkorb, andererseits die gesamte Atem- und Atemhilfsmuskulatur sowie Rumpf und Becken.

Johannes Ludwig Schmitt

Johannes Ludwig Schmitt weist im Jahr 1959 in seinem Vorwort zu Atemheilkunst auf die herrschenden Unklarheit «in der Frage über Norm und Fehlform im äusseren Atembewegungsablauf» hin. Schmitt sähe Heilung und Hilfe für den menschlichen Organismus durch die «lebensgesetzlich richtige Atembewegung» gerne in den Händen der professionellen Medizin.

Schlüssel mit lachendem Gesicht

clavicula = Schlüsselchen

Bei der Arbeit mit dem Erfahrbaren Atem nach Middendorf ist die Philosophie eine andere: «Richtig atmen» im physiologischen Sinne, wofür Schmitt plädiert, ist nicht das Ziel, kann aber ein Resultat des Übens mit dem autonomen Atem sein. Vielmehr geht es bei Middendorf darum, mit der leiblichen Empfindung und Erfahrung des eigenen Atemgeschehens, besonders der Atembewegung im Sinne des «weit-schmal-Werdens» das eigene Wesen und die persönlichen Ressourcen kennenzulernen. Denn der Atem ist nicht nur Spiegel des körperlichen Zustands, sondern auch «seelischer Ausdruck und geistiger Vorgang», wie Ilse Middendorf in ihrer Atemlehre beschreibt. Das «Leitseil des Atems“ ermöglicht «Klarheit des Bewusstseins» mit dem Atem als verbindende Kraft von Körper, Seele und Geist. 

Das Schlüsselbein trägt in seinem Namen ein kleines Geheimnis mit sich herum – denn auf Latein bedeutet clavicula auch «Schlüsselchen». Ob sich eine Prophezeiung in den «Beinen» versteckt, wird sich zeigen.

Das Schlüsselbein und die Atemtherapie

Hier lernst du das Schlüsselbein in seiner Struktur als Knochen und in seiner Funktion im Bewegungs- und Stützapparat im Kontext der Atemmechanik kennen und kannst für zentrale Anliegen der Atemtherapie seine Schlüsselfunktion zu entdecken:

  • Orientierung/Struktur aus innerer Achtsamkeit 
  • Aufrichtung/Haltung aus wohlgespannter Muskulatur
  • Tragen lassen aus Durchlässigkeit zum Boden hin

Alles, was du rund ums Schlüsselbein wissen musst


Der Wendepunkt [von Bauch- zu Brustatmung] fällt in die Zeit, in der das Kind Stehen und Laufen lernt.

Rudolf Dittrich

Form und Lage

Das Schlüsselbein (lat. clavicula) ist ein schlanker, paariger und etwa handlanger Röhrenknochen (ca. 12-15 cm) in Form eines flachen S. Die Schlüsselbeine liegen nahezu horizontal auf dem vorderen oberen Brustkorb, oberhalb der ersten Rippe, vis-à-vis des Übergangs von Hals- zu Brustwirbelsäule, C7-Th1. .

Anatomie Schultern Lage Schlüsselbeine
Oberflächenanatomie Schlüsselbein

Das Schlüsselbein ist oberflächenanatomisch gut tast- und sichtbar als horizontale Trennlinie zwischen der Vertiefung in der oberen Schulterregion und der oberen Brustregion.

Die Schlüsselbeine sind Bestandteil des knöchernen Schultergürtels und im Skelett die einzige gelenkige Verbindung vom Brustkorb zu den Schulterblättern und somit zu den oberen Extremitäten. Unter den Schlüsselbeinen verlaufen Gefäss- und Nervenbahnen, die für die Versorgung der Extremitäten unerlässlich sind. Der Schlüsselbeinknochen hat wegen seiner Verbindungen durch Muskeln und Bänder in alle Richtungen eine Vielfalt von Oberflächenstrukturen. Die Muskulaturen am Schlüsselbein gehören verschiedenen Muskelgruppen an, von der Schultergürtelmuskulatur bis zur Einatem(hilfs)muskulatur.

Schultern Anatomie knöcherner Schultergürtel von oben
Knochen - Aufbau und Entwicklung

Der Röhrenknochen besteht aus einem mittigen Schaft (Diaphyse) und zwei Enden (Epiphysen); zum Brustbein (sternal) und zur Schulterhöhe (akromial).  Der Schlüsselbeinkno­chen hat an seiner Oberfläche Strukturen für den Ansatz von Bän­dern, Vertiefungen oder aufgeraute Gebiete, wo Muskelfasern einstrahlen. 

Oberflächenstruktur Schlüsselbein

Bei der Entwicklung des Embryos entsteht das Schlüsselbein aus dem Mesoderm (mittleres Keimblatt), wie auch die weiteren Binde- und Stützgewebe sowie Kreislauforgane, Harn- und Geschlechtsorgane. Die Diaphyse des Schlüsselbeins verknöchert bereits in der sechsten bis siebten Embryonalwoche durch direkte Verknöcherung. Erst im Alter von 16 bis 18 Jahren entsteht der Knochenkern in den Epiphysen. Wie bei den meisten Knochen im Körper geschieht - um ein Längenwachstum zu ermöglichen - die Verknöcherung an den gelenkbildenden Enden auch via knorpelige Zwischenstufen durch sog. Ersatzknochen. Die Epiphysenfugen des Schlüsselbeins schliessen sich als die letzten des Körpers zwischen dem 20. bis 25. Lebensjahr.

Röntgenaufnahme eines Schlüsselbeinbruchs

Geflechtsknochengewebe, wie das der Schlüsselbein-Diaphyse, kommt bei Erwachsenen ansonsten v.a. als «Baustelle» bei Bruchheilung vor, bevor die Stellen in die belastbareren Lamellenknochen umgebaut werden. Neben der Diaphyse des Schlüsselbeins entstehen nur die Schädelknochen durch direkte Verknöcherung. Da die Fasern von Geflechtsknochen kreuz und quer verlaufen, sind sie nicht sehr belastbar, wohl mit ein Grund, weshalb Schlüsselbeinbrüche häufig vorkommen.

Es gibt verschiedene Typen von Klavikulafrakturen, aber in 80 % der Fälle ist die Diaphyse betroffen . Der Bruch wird mit einem Rucksackverband therapiert , der das Schlüsselbein einige Wochen ruhigstellt. Eine Operation ist selten nötig, nur wenn Gefässe, Nerven oder Muskeln in Mitleidenschaft gezogen sind. Bei grossen, schweren Neugeborenen bzw. zierlichen Müttern kommt, meist in der Endphase der Geburt, bei 6-8% ein Schlüsselbeinbruch vor, der normalerweise selbstständig abheilt.

Rucksackverband bei Schlüsselbeinbruch
Gelenke und Bänder

Das Schlüsselbein ist an seinen beiden Enden je gelenkig verbunden, medial zum Brustbein hin und lateral mit der Schulterhöhe. Beide Gelenke sind gut mit Bändern gesichert und gestützt und werden überwiegend muskulär geführt.

Schultergelenk Bänder

Das Sternoklavikulargelenk ist ein Sattelgelenk mit dem medialen Ende des Schlüsselbeins als Gelenksattel und dem Schlüsselbeinausschnitt des Brustbeins als Gelenkpfanne. Es sind Bewegungen in allen drei Ebenen möglich, wie bei einem Kugelgelenk. Das Sternoklavikulargelenk ist die einzige echte Gelenkverbindung zwischen Rumpf und Schultergürtel.

Das Akromioklavikulargelenk verbindet das laterale Ende des Schlüsselbeins – Gelenkspalt des Schultereckgelenks – mit der Schulterhöhe. Obwohl plan, kann das Gelenk sich mit Hilfe des Sternoklavikulargelenks in alle Richtungen bewegen.

Die unterschiedlich grossen Gelenkflächen können durch die geringe Knochenführung Verrenkungen (Luxationen) am Schultergelenk verursachen. In der Atemmechanik sind die gelenkigen Verbindungen des Schlüsselbeins vom Brustbein und zur Schulterhöhe neben den eutonisierten Muskeln eine wichtige Voraussetzung für die Beweglichkeit und Stabilität des Schultergürtels und somit für Aufrichtung und Haltung.

Muskeln
Die muskulöse Aufhängung des Schultergürtels an der Schädelbasis, Hals- und Brustwirbelsäule hat den Erfolg, dass der Brustkorb die Last der Schultern und Arme normalerweise nicht trägt und dass die Rippenbewegungen sich daher unter der durch die Levatoren gleichsam gelüfteten Klappe des Schultergürtels hindurch ungestört vollziehen können.

Johannes Ludwig Schmitt

Exkurs: Ideale Arbeitsbedingungen für Muskeln

Muskeln sind an mindestens zwei Punkten befestigt (Ursprung und Ansatz) und bei allen Muskelkontraktionen wird Zug auf die Sehnen ausgeübt, Kräfte, die sich auf die jeweiligen Knochen übertragen. Ein Knochen kann durch eine Muskelkontraktion entweder stabilisiert oder bewegt werden. Ideale Arbeitsbedingungen für Muskeln sind so beschaffen, dass Ursprung vom Ansatz möglichst weit entfernt sein soll, um maximale Hebelkraft in der Kontraktion zu entwickeln.

Wenn sich Ansatz und Ursprung eines Muskels einander annähern, verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen. «Verspannte Muskeln» sind aber oft verkürzte Muskeln, also Muskeln, die unter erschwerten Bedingungen arbeiten, zusätzlich zum Umstand, dass sie durch die Dauerverspannung ohnehin im Lösen/Spannen beeinträchtigt sind.

Hier eine Übersicht zu Ursprungs- (rot) und Ansatzorten (blau) von Muskelfasern am Schlüsselbeinknochen. Der Schlüsselbeinknochen kann von vorne und hinten bewegt werden (m. subclavius, m. trapezius), er kann andere Knochen bewegen (, m. pectoralis major, m. sternocleidomastoideus, m. sternohyoideus) kann stabilisierend wirken (m. subclavius) und kann bei Feststellung der entsprechenden Muskelansätze die Einatem(hilfs)muskulatur unterstützen (m. sternocleidomastoideus, m. subclavius, m. pectoralis major). Die Arbeitsweisen der einzelnen Muskelgruppen werden im folgenden Kapitel näher erläutert.

Schlüsselbein Muskelursprünge und Ansätze

Blau: Ansatz / Rot: Ursprung

... von unten betrachtet





... von oben betrachtet

Muskuläre Umgebung des Schlüsselbeins

Die muskuläre Umgebung des Schlüsselbeins ist vielfältig und mit komplexen Aufgaben ausgestattet.

Einerseits arbeiten die Muskelgruppen der oberen Rumpfregion in ständiger Aktivität zusammen, um den ca. 5 kg schweren, auf der Wirbelsäule balancierenden Kopf im Gleichgewicht zu halten. Körperhaltung entsteht durch dynamische Wechselbeziehungen zwischen Muskeln und Skelett. Haltung ist also nicht etwas Statisches, sondern ein «dynamischer Zustand» des Spannens und Lösens von Muskeln.

Schlüsselbein muskuläre Umgebung Einatem
Andererseits haben die Muskeln der oberen Rumpfregion in ihrem Zusammenspiel wichtige wiederkehrende Aufgaben bei der (Ein-)Atmung oder auch bei komplexen Abläufen wie dem Schluckakt zu erfüllen und ihre Verbindung zum Kopf zeigt sich beispielsweise in der Mimik.
Einatemhilfsmuskeln
Am Schlüsselbein haben zwei wichtige Einatemhilfsmuskeln ihren teilweisen Ursprung. Der m. sternocleidomastoideus hebt bei fixiertem Kopf das Schlüsselbein. Auch der m. pectoralis major dient (bei aufgestützten Armen) als Einatemhilfsmuskel zur Weitung des Brustkorbes. Das aktive Hochziehen des Schlüsselbeins und damit der ersten Rippe bzw. des Brustkorbs mit der Einatemhilfsmukulatur verbraucht sehr viel Energie. Da die Atemhilfsmuskulaturen eigentlich andere Aufgaben haben, müssen sie festgestellt werden, um den Brustkorb aufdehnen zu helfen. Auch der m. subclavius wirkt bei festgestelltem Schultergürtel rippenhebend.
m. subclavius
Ideale Arbeitsbedingungen für den Atem
Der «Kutschersitz» ist eine hilfreiche Haltung zur Aktivierung dieser Muskeln als Einatemhilfe oder bei akuter Atemnot: sitzend die Unterarme auf den Oberschenkeln aufstützen und den Oberkörper weit nach vorne beugen. Das Schlüsselbein ist vorne (m. subclavius) und hinten (m. trapezius) mit dem Schultergürtel verbunden und die beiden Muskeln sorgen dafür, dass der Knochen bei Ruhe- oder Vollatmung eher nach unten gezogen wird. Der m. subclavius stabilisiert zudem das Schlüsselbein bei Schulter- und Armbewegungen im Sternoklavikulargelenk. Der m. trapezius hat seinen Ansatz am Schlüsselbein und verbindet Schulterblatt und Schlüsselbein mit dem Brustkorb, er kann z.B. bei Armbewegungen das Schlüsselbein je nach Bedarf drehen, heben oder senken.
Schultergelenk Anatomie muskuläre Umgebung
Das Schultergelenk ist als beweglichstes Gelenk des Körpers stark auf muskulären Zusammenhalt angewiesen um trotzdem stabil zu bleiben (sog. muskelgeführtes Gelenk), muskulär besondere Bedeutung dafür hat dabei der m. deltoideus (grün hervorgehoben), der teilweise am Schlüsselbein seinen Ursprung hat. 
Wenn der Schultergürtel nicht genügend zurückgenommen wird (z.B. bei schon bestehenden Fehlformen der Brust- und/oder Halswirbelsäule) kann der m. trapezius (zusammen mit dem Schulterblattheber) durch ein aktives Hochzerren des Schultergürtels die Arbeitsbedingungen für die Muskeln im Einatem zu verbessern versuchen, was aber zu weiteren Fehlspannungen führt, die u.U. Kopfschmerzen, Entzündungen, Bandscheibenschäden, Herzbeschwerden, Probleme mit dem venösen Rückstrom aus dem Kopf und/oder zu einer noch stärkeren Stauchung und Lordosierung («Buckelbildung») führen.
Wie Beschwerden entstehen
Die Gefahr der Belastung der Atmung durch den Schultergürtel ist zwar vermeidbar, aber nicht stets vermieden. Für die Atemmechanik ist die muskuläre Aufhängemechanik des Schultergürtels deshalb so wichtig, weil sie der Entlastung des Brustkorbs dient. Besonders die Halswirbelsäule ist Mitträgererin des Schultergürtels, da die schultergürteltragenden Muskeln an der Schädelbasis und an der Wirbelsäule entspringen. 

Die Haltung und Form der Wirbelsäule bestimmt also massgeblich den äusseren Atemapparat und dessen Funktionsspielraum. Fehlhaltungen des Schultergürtels wirken sich auf die Atmung aus, z.B. indem der Schultergürtel die Rippen in eine eingeengte Bewegung zwingt oder diese sogar verhindert. Die aufrechte Haltung und somit die Entlastung des Brustkorbs vom Gewicht der Schultern und Arme ist für die Atmung äusserst wichtig. Bei der Ausatmung ist es wichtig, dass sich die Muskeln lösen dürfen und der Brustkorb absinken kann, ein verspannter Schultergürtel verhindert dies aber.

Ein Muskel des Schlüsselbeins gehört zur Kehlkopfmuskulatur bzw. der infrahyoidalen Halsmuskulatur. Der Brustbein-Zungenbein-Muskel (m. sternohyoideus) hat teilweise seinen Ursprung am Sternoklavikulargelenk des Schlüsselbeins und verbindet dieses mit dem unteren Rand des Zungenbeins, dem Zungenbeinkörper. Der m. sternohyoideus senkt das Zungenbein und kommt bei Kieferöffnung und Schluckakt stabilisierend zum Einsatz, da er dann das Zungenbein festhält. Wenn der Schultergürtel bzw. das Schlüsselbein wegen Dauerverspannungen ständig hochgezogen wird, hat auch
m. sternohyoideus schlechtere Arbeitsbedingungen durch die Verkürzung.
Schlüsselbein Muskeln m. sternohyoideus
Ein Muskel des Schlüsselbeins gehört zur Kehlkopfmuskulatur bzw. der infrahyoidalen Halsmuskulatur. Der Brustbein-Zungenbein-Muskel (m. sternohyoideus) hat teilweise seinen Ursprung am Sternoklavikulargelenk des Schlüsselbeins und verbindet dieses mit dem unteren Rand des Zungenbeins, dem Zungenbeinkörper. Der m. sternohyoideus senkt das Zungenbein und kommt bei Kieferöffnung und Schluckakt stabilisierend zum Einsatz, da er dann das Zungenbein festhält. Wenn der Schultergürtel bzw. das Schlüsselbein wegen Dauerverspannungen ständig hochgezogen wird, hat auch
m. sternohyoideus schlechtere Arbeitsbedingungen durch die Verkürzung.
Schlüsselbein und mimische Muskulatur
Muskeln Schlüsselbein Platysma

Eine weitere muskuläre Struktur, die vom Schlüsselbein via Hals zum Kopf reicht, ist der Halshautmuskel (Platysma). Es ist ein grosser flächiger Muskel, der nur mimische Funktion hat. Das Platysma ist direkt mit der Haut verbunden, beginnt oberhalb des Unterkiefers und reicht über die vordere Halsseite abwärts über das Schlüsselbein bis etwa zur zweiten Rippe. Zusammen mit anderen Gesichtsmuskeln ist es für die Mimik zuständig. Das Platysma hat ähnlich viele Nerven wie Augen- und Zungenmuskeln, ist aber nicht direkt mit dem Skelett verbunden, sondern ein reiner Hautmuskel.

Das Schlüsselbein in der Atemtherapie

Nicht die Form bestimmt die Funktion, sondern die Funktion entscheidet letztlich über die Form.

Johannes Ludwig Schmitt

Schlüssel zu Gestaltung und Entfaltung

Die Schlüsselbeinregion ist nicht nur gut tast- und sichtbar, sondern auch sehr sensibel, weil sie durch den Hautmuskel des Halses (Platysma) mit vielen sensorischen Nervenzellen ausgestattet ist. Die Schlüsselbeine gehören in der Atemtherapie zum oberen Atembewegungsraum, der den oberen Rumpf sowie Hals, Kopf und Arme/Hände beinhaltet und wo Erfahrungsqualitäten von Helligkeit/Feinheit in Gestaltung und Entfaltung sich zutragen können. Auch beim Behandeln dient die knochige Struktur des Schlüsselbeins als Orientierung. Auf der Liege gibt es Behandlungsgriffe für die Schulter, bei denen die Hände über oder unter dem Schlüsselbein ansetzen («einhängen») um den Atem in die Region zu locken und/oder eine Veränderung der Atemqualität zu ermöglichen

Dynamische Balance für die Aufrichtung

In der Atemmechanik ist das Schlüsselbein für die Aufspannung des knöchernen Schultergürtels zuständig, damit sich der Brustkorb im Einatem weiten kann und im Ausatem die Schulterblätter sich wieder «niederlassen». Da verspannte Muskeln oft verkürzte Muskeln sind, die unvorteilhafte Arbeitsbedingungen haben, ist das Schlüsselbein wichtig, um die günstigen Arbeitsdistanzen für Muskeln der Region Atemzug für Atemzug wieder herzustellen.

Die Wohlgespanntheit der Muskeln ergibt sich durch die Dehnung im Einatem und der Aufrichtung im Ausatem – dem Lösen und Spannen in ausgewogenem Masse. Ist der Leib von Beckenboden bis in die Lungenspitzen gut durchlüftet und lebt in der Schwingung der Atembewegung, ist das Schlüsselbein ein vielbewegter Knochen. Vom Boden her kann das Schlüsselbein, ist der Körper im Lot (Beine, Becken, Wirbelsäule), mit seiner muskulären Ausstattung den Schultergürtel inkl. Halswirbelsäule und Kopf in einem mühelosen Gleichgewicht halten.

Diese Balance stellt das Tragen lassen als dynamischen Zustand für die Kopf- und Halsregion zur Verfügung und entlastet nicht nur die Haltemuskulatur, sondern stellt für die Atemmechanik ideale Arbeitsbedingungen bereit, die auch die Durchlässigkeit von Gelenken vom Boden her und zum Boden hin beinhaltet.

Das Höhlige: Verdichtete Kräfte

An der Unterseite der Schlüsselbeine gibt es Höhlungen, die für das Üben mit dem Höhlenatem genutzt werden können. Das Höhlige ist laut Middendorf eine Kraft, die im Einatem erscheint und als weiblich, warm und lebensfördernd erlebt wird. Gegenüber der Schlüsselbeine liegt der Übergang der Hals- zur Brustwirbelsäule (C7-Th1), ein Ort (von vielen), an dem ein Zentrum entstehen kann durch die Verdichtung von Kräften, die aus dem Höhligen ihre Kraft bündeln und eine Richtung nehmen. Eine Schlüsselfunktion hat die Klavikula bei der Fingerkuppenarbeit, die nur möglich ist, weil die oberen Extremitäten von Gefässen und Nerven versorgt werden und ihrerseits Empfindungen «zurückmelden» können.

Schlüssel zur guten Laune

Das Schlüsselbein kann mit seiner Eigenschaft als einzige gelenkige Verbindung zu den oberen Extremitäten ein Tor zur Handlungsfähigkeit sein, so denn das Fundament stimmt und sowohl Beine und auch Becken mit Wirbelsäule «auf soliden Beinen stehen».

Bei Fehlformen und -haltungen der Brust- und Halswirbelsäule kann die Atemtherapie direkt oder indirekt eine Verbesserung für die Versorgung der oberen Extremitäten, für die aufrechte Körperhaltung, für den Muskeltonus und nicht zuletzt durch die Ansprache des oberen Raums für die Stimmung bereitstellen.

Fazit

Das Schlüsselbein wird seinen beiden Versprechen gerecht - es hat mehrere Schlüsselfunktionen inne: In der Atemmechanik ist es in seiner Zugehörigkeit zum knöchernen Schultergürtel der Schlüssel vom Rumpf zu den oberen Extremitäten – für ihre Beweglichkeit und Versorgung. Oberflächenanatomisch und in der Skelettstruktur verbindet es innen und aussen, oben und unten, vorne und hinten.

Sein «Bein»-Gehalt ist von zentraler Bedeutung: Einerseits in der strukturellen Verwandtschaft mit den Schädelknochen und andererseits als Mittler vom Brustkorb zum Schultergürtel für die Aufrichtung aus den Beinen via Becken und Wirbelsäule für das freie Schwingen der Atembewegung, der wohlgespannten Muskeln und der durchlässigen Gelenke.

Bei der «lebensgesetzlich richtigen Atmung» - also der Bauch- bzw. Vollatmung - sind die Schlüsselbeine das obere Ende des Spektrums der Atembewegung im Rumpf, die vom Zwerchfell ausgehend via Beckenboden den ganzen Rumpf durchschwingt, wie dies sehr schön an neugeborenen Kindern zu sehen ist in «der vom Schambein bis zum Schlüsselbein sich erstreckenden aktiven Rumpfwandhebung», wie Johannes Ludwig Schmitt sagt.

Kurioser Knochen: 5x Trivia

1. Wünsch dir was

2. Wer keins hat, fällt besser

3. Gibt seitliche Bewegungsfreiheit

4. Hat Mörike sein Schlüsselbein in die Neckar geworfen?

5. Was wir von den alten Ägyptern lernen können.

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